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ERASMUS+ Veranstaltung, Entbuschen

Entbuschung beim Naturschutzgebiet Nägelebiotop

Mit dem “Entbuschen” des Paspeslsbiotopes, (ehemaliges Nägelebiotop) am Samstag, den 9. 11.2019 wurde wiederum ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der Lebensräume einiger Amphibien geleistet.

17 Fleißige Helfer (9 Erwachsene und 8 Kinder) waren zwei Stunden mit großem Engagement im Einsatz, um Jungwuchs und Buschwerk abzuholzen, damit das Auflanden von Flachwasserteichen durch abfallendes Laub  verringert werden kann. Übrigens, zwischen 15. März und 15. September dürfen keine Pflegearbeiten in Naturschutzgebieten erledigt werden. Daher sind solche  Aktionen zeitlich befristet.

 

 

Zu Beginn der Arbeiten erhielten wir spannende Informationen über die Entstehungsgeschichte, sowie Sinn und Zweck des Biotops durch Herbert Wust - dem eigentlichen Initiator des Biotops.

 

Nach der letzten Eiszeit – vor etwa 10000 Jahren – war das gesamte Rheintal von einem riesigen See bedeckt – dem Rheintalsee , der mit dem heutigen Walensee und dem Zürrichsee verbunden war. Durch das Abschmelzen des "Rhein- und Illgleterschs" wurden durch das abschmelzende Wasser riesige Mengen an Gestein in den See eingebracht, so daß dieser langsam verlandete. Aber  selbst noch vor 2000 Jahren reichte der Bodensee bis nach Lustenau. Mit zunehmender Bewirtschaftung und Besiedelung des Rheintals und in der Hoffnung die häufigen Überschwemmungen unterbinden zu können wurde der Fluss schließlich auf ein Minimum zurückgedrängt, eingedämmt und begradigt.

 

Das reiche Kiesvorkommen wird noch heute abgegraben und als Baumaterial für verschiedenste Bereiche verwendet. Da sich diese Schottervorkommen überwiegend unterhalb des Grundwasserspiegels befinden, entstanden viele Baggerseen, die teilweise mit sterilem Waschschlamm aus der Kiesgewinnung und sonstigem, ebenfalls sterilem Aushubmaterial wieder aufgefüllt wurden. Dies war dann der geeignete Zeitpunkt um von nahezu 30 ha verlorener Naturlandschaft in Rankweil und Feldkirch  zumindest 2,5 Hektar zu retten und zu schützen. Es bildete sich eine Arbeitsgemeinschaft, bestehend aus der Rheticus-Gesellschaft, der Gemeinde Rankweil und der Baufirma Nägele, welche sich für die Errichtung dieses Biotopes einsetzte, um ein Stückchen des einstigen Ökosystems zurückerobern zu können. Dank dieser ARGE  konnte dieses Projekt umgesetzt werden. Jetzt obliegt die Betreuung dem Naturschutzbund Rankweil und der Gemeinde Rankweil.

Einst als Lebensraum für Amphibien, wie z.B. die Teich- und Wasserfrösche, sowie Kamm-, Teich-  und Bergmolche erdacht, sind diese leider seit der Einwanderung des Seefroschs durch dessen Größe und Dominanz zusehend gefährdet. Auch die illegale Einbringung von Goldfischen, die sich rasant vermehrten und außer dem Graureiher keine ernsthaften Feinde haben, bringt das Ökosystem in Bedrängnis. Erfreulicherweise wird das Biotop inzwischen von zahlreichen Vogelarten beansprucht und wir “Entbuschungshelfer” werden seit einigen Jahren von Bibern unterstützt, die sich hier recht wohl fühlen. Ihre Fährten und Bissspuren wurden uns von Herrn Brändle gezeigt, der als Revierjäger hier nur für die Beobachtung zuständig ist. Allerdings muß das Vorkommen des Bibers kritisch beobachtet werden, da er schon große solitär stehende Bäume zu Fall brachte.

 

Nach diesem informellen Teil schritten wir endlich zur Tat.

“WIR”, das waren Kinder und Erwachsene der Naturfreunde Rankweil sowie des Liechtensteiner Alpenvereins und eine Abordnung der Jagdgenossenschaft und des Gartenbauvereins Rankweil. Unter fachlicher Anleitung wurden Büsche, Sträucher und Bäumchen abgezwickt, umgesägt, abtransportiert und aufgehäuft. Nur junge Eichen und Birken wurden markiert und durften verschont werden.

Nach dem Entbuschen gab es vor Ort eine ordentliche Jause, die vom Gartenbauverein organisiert und gesponsert wurde. Um die ganze Sache für alle Naturfreunde noch etwas zu vertiefen und abzurunden ging‘s ins nächstgelegene Kaffee. Dort gab es weitere spannende Informationen und Denkanstöße unserer Biologiestudentin Claudia Lang.

 

Wir erfuhren einiges über heimische Amphibien:

 

Auch dass alle Amphibien (auch Kaulquappen) geschützt sind!

Claudia hatte auch noch ein Bilderrätsel vorbereitet, bei dem wir diverse Froscharten und Eidechsen bestimmen durften.

 

Laubfrosch: (grüne Hautfarbe) ist auch in Vorarlberg heimisch, aber leider stark gefährdet, kann auf Bäume oder Gräser hinaufklettern und ist somit die einzige Froschart die dies kann. Diese Froschart benötigt viel Sonnenlicht, deshalb ist das Entbuschen so wichtig. Sie sind wechselwarme Tiere und können ihre Körpertemperatur nicht selbst regulieren. Winterruhe machen sie in der Nähe von Gewässern unter frostfreien Laubhaufen, Erdgängen, Wurzelstöcken etc. Dabei wird der Stoffwechsel fast gänzlich heruntergefahren und so gut wie keine Energie verbraucht.

Ihre Überlebenschancen werden auch durch die Fische verringert, denn diese ernähren sich unter anderem auch von Froschlaich und den Kaulquappen. Im Paspelsbiotop ist diese wunderbare Froschart seit einigen Jahren ausgestorben. Die Population ist aller Wahrscheinlichkeit nach durch die Seefrösche und Goldfische verdrängt worden.

 

Kammmolch: Größter einheimischer Molch. Männchen haben zur Paarungszeit einen auffälligen Kamm, machen sich damit in der Paarungszeit größer.

 

Seefrosch: Ist eigentlich ein eingeschleppter "Schädling", er verdräng als eigentlich nicht einheimische Art hauptsächlich alle anderen Frosch- und Molcharten. Er ist sehr anpassungsfähig (gibt’s sogar in der Wüste) und breitet sich leider in Vorarlberg weiter aus. Bis auf den Graureiher gibt es kaum Feinde.

 

Sie erklärte uns auch den Sinn und Zweck von Biotopen und Naturschutzgebieten.

Die Problematik, die durch die intensive Nutzung landwirtschaftlicher Flächen entsteht, ist,  dass diese zu oft gemäht werden. Damit die Pflanzenvielfalt erhalten bleibt, sollte nicht jedes Jahr gemäht werden oder höchstens einmal im Jahr. Leider wird das großes Artensterben durch den Einsatz von Pestiziden, genetisch verändertem Saatgut und dem fortschreitenden Landraub von uns Menschen verursacht.

 

Ein weiteres Thema war die Klimaerwärmung.

Die großflächige Abholzung von Regenwäldern (z.B.: Brasilien) führt zu massiv klimatischen Veränderungen, welche selbst Einfluss auf die Meeresströmungen haben, was schließlich  das Gesamtklima unseres Planeten gravierend verändert. Denn die Wälder erzeugen Schatten und schaffen so ein gutes Mikroklima.

Die abgeholzten Flächen werden in diesen Gebieten leider nicht mehr aufgeforstet sondern stattdessen für die Fleischproduktion, Sojaanbau oder Avocadoanbau verwendet.

Diese Flächen können nur zwei- oder dreimal verwendet werden, denn danach ist die Erde ausgelaugt und nicht mehr fruchtbar.

 

So wurde die Entbuschungsaktion zu einem spannenden kleinen Abenteuer.

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